Prof. Dr. Julia Zwank - Mentale Gesundheit bei Kindern 💚
Shownotes
Gast: Prof. Dr. Julia Zwank Julia Zwank ist Professorin und forscht im Bereich frühkindliche Entwicklung. Im Gespräch mit Moderatorin Sinah Jakobsmeyer gibt Zwank Einblicke in das Themengebiet. Sie sagt: Die Wissenschaft zeige ganz klar, dass Kinder sich kognitiv deutlich besser entwickeln, wenn sie in ihren ersten Lebensjahren liebevoll in ihrer Entwicklung begleitet wurden. Wer sich beispielsweise seinen Kindern zuwendet, anstatt sie schreien zu lassen, schafft für sie die Grundlage, für den Rest des Lebens gut gewappnet zu sein. Denn Kinder entwickeln durch das Gefühl der Geborgenheit Resilienz und können auch später besser mit Stress umgehen. Dennoch kann es immer Situationen im Leben eines Kindes geben, die die mentale Gesundheit ins Wanken bringt - beispielsweise Mobbing. Auch darauf gibt Prof. Dr. Julia Zwank Antwort.
Website: www.juliazwank.de Instagram: prof.dr.juliazwank
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00:00:00: Hallo und herzlich willkommen zu dieser Folge.
00:00:03: Ich freue mich sehr, dass ihr mit dabei seid und mit uns zusammen in verschiedene Aspekte rund um das Thema Gesundheit eurer Kinder und am Ende eben auch Gesundheit eurer Familie eintauchen möchtet.
00:00:15: Wir versuchen an diesem Podcast unterschiedliche Bereiche aufzumachen, die alle dieses Thema Gesundheit, ja, umwickeln, damit reinspielen, es beeinflussen.
00:00:24: Also das Thema Bewegung, das Thema Ernährung zum Beispiel und ein Thema ist dabei natürlich auch die mentale Gesundheit von Kindern.
00:00:32: Um die geht es jetzt.
00:00:34: Darüber spreche ich mit meinem heutigen Gast, Frau Professor Dr.
00:00:38: Julia Zwang.
00:00:39: Sie kleiden so viele Titel, dass ich mit der Liste hier locker eine Wand herbeziehen könnte.
00:00:45: Aber ich will es versuchen, zusammenzufassen.
00:00:47: Julia Zwang ist erst mal auch Mutter und Professorin unter anderem für Entwicklungspsychologie.
00:00:54: Sie hat aber auch Weiterbildungen in Neuropsychologie, Kinderernährung, positiver Psychologie und mehr.
00:01:01: Sie ist in der Forschung tätig, publiziert in renommierten Fachzeitschriften, aber ist auch Wissenschaftskommunikatorin und übersetzt Fachschagant für uns Leyen.
00:01:11: Deshalb ist sie wie gemacht für unseren Podcast.
00:01:13: Herzlich willkommen, Julia.
00:01:15: Vielen herzlichen Dank.
00:01:16: Ich freue mich sehr über die Einladung.
00:01:18: Wir haben uns übrigens schon vorab auf das Du geeinigt.
00:01:21: Also, falls der eine oder andere gerade Fragezeichen im Kopf an uns denkt.
00:01:26: Wir haben vorgespräch uns schon sehr gut unterhalten und haben uns auf das Du geeinigt.
00:01:30: Deswegen bleiben wir da jetzt einfach auch bei dieser Aufnahme mal dabei.
00:01:35: Wir sprechen darüber, Julia, wie Eltern für die mentale Gesundheit ihrer Kinder sorgen können.
00:01:39: Wir werden darauf eingehen, wie sie ihre Kinder auffangen können, wenn sie in Situationen geraten, die die mentale Gesundheit der Kinder ins Wanken bringen.
00:01:48: können.
00:01:49: Um dorthin zu kommen, lohnt es sich aber auch, viel früher mal anzusetzen.
00:01:53: Denn als Eltern ebnet man den Weg, wie Kinder später mit Stresssituationen umgehen.
00:01:58: Darauf möchten wir jetzt zuerst schauen.
00:02:00: Julia, das ist ja ein Thema, für das du dich auch stark machst.
00:02:03: Was können Eltern denn in den frühsten Kindheitsjahren machen, damit die Kinder später resilienter sind?
00:02:09: Was ist der wissenschaftliche Kenntnisstand zu dem Thema?
00:02:13: Also das Wichtige zu verstehen ist, dass die Art und Weise, wie wir mit unseren Kindern interagieren, und zwar Tag für Tag, das prägt dieses sich entwickelnde Gehirn ganz maßgeblich.
00:02:23: Denn dabei werden Hormone und auch Stoffe im Gehirn programmiert.
00:02:27: Also zum Beispiel Oxytocin, das ist auch hindlänglich bekannt als das Liebeshormon.
00:02:32: Das wird freigesetzt in Bindungssituationen, wie zum Beispiel beim Kuscheln oder beim Stillen oder auch wenn wir unseren Kindern nah sind.
00:02:40: Und dieses Oxytocin, das Das hemmt Stresshormone.
00:02:44: Und Stresshormone werden dann ausgeschüttet, wenn wir in Gefahr sind, also wenn wir Angst haben, wenn wir uns überfordert fühlen.
00:02:50: Und diese Stoffe, die werden nicht bei jedem Menschen gleich ausgeschüttet.
00:02:54: Manche schütten mehr aus und manche weniger.
00:02:57: Manche haben eben mehr Rezeptoren für solche Stoffe und manche weniger.
00:03:01: Und wie viele zum Beispiel Bindungsstellen Menschen haben, das wird ganz stark durch die Erfahrungen in der frühen Kindheit beeinflusst und auch geprägt.
00:03:10: Und es gab erst kürzlich eine Studie der Max-Plan-Gesellschaft, die zeigt, wenn sich in dem Fall waren es Mütter in der Spielinteraktion mit ihren Kindern ganz besonders einsetzen und kümmern.
00:03:20: Dann wird dadurch das Oxytocinsystem bei diesen Kindern hochreguliert.
00:03:24: Also Kinder von engagierten, von liebevollen Eltern haben mehr von diesen Oxytocin-Rezeptoren und sind zum Beispiel mit achtzehn Monaten schon ausgeglichener und auch weniger temperamentvoll als andere.
00:03:37: Wenn Menschen hingegen in früher Kindheit sehr, sehr viel Stress haben, also von natürlich sehr schlimmen Szenarien wie geschlagen werden, aber auch Alltagsstress, jemand oder niemand, der sie tröstet, emotionale Vernachlässigung, dann scheint sich das auch auf die Körper auszuwirken, dass diese Stoffe dann langfristig mehr oder in diesem Fall dann eben weniger gut wirken können.
00:03:56: Das bedeutet je nachdem, was Kinder in der frühen Kindheit erleben.
00:04:00: Haben Sie dann ein gut oder ein nicht so gut funktionierendes Stresssystem?
00:04:04: Und dann können Sie eben mit Prüfungsstress in der Schule oder auch später im Beruf mit dem super lahmen Verkehr im Stau oder mit dem schreienden Kind zu Hause eben besser oder schlechter umgehen oder eben auch mit Rückschlägen.
00:04:17: Und genau das ist auch Resilienz und so entwickelt sie sich auch, also die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen oder eine anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen.
00:04:28: Ich hatte da schon gesagt, du bist ja Wissenschaftskommunikatorin, bist auch auf Instagram aktiv und versuchst da, den wissenschaftlichen Stand zu dem Thema auch zugänglich zu machen.
00:04:39: Du hast mir im Vorgespräch schon erzählt, dass du deinen Account noch gar nicht so lange hast, aber der ist ja total schnell gewachsen.
00:04:44: Also, da scheint's ja auch irgendwie einen Bedarf zu geben.
00:04:46: Und ich könnte mir vorstellen, du hast ja bestimmt auch viel Kontakt mit Eltern, bist ja auch selber Mutter, ich auch, ich hab eine kleine Tochter und ich denke mir manchmal, Puh, also zu wissen, wenn ich jetzt in den ersten Jahren meines Kindes was falsch mache, dann hat das unter Umständen lebenslange Auswirkungen.
00:05:04: Das kann ja auch extrem einschüchtern.
00:05:06: Ist dir sowas schon mal gespiegelt worden von anderen Eltern?
00:05:08: Wie stehst du dazu?
00:05:10: Ja, also die Verantwortung, wie natürlich Eltern tragen, ist immens.
00:05:13: Also nicht umsonst ist ja auch mein großer Claim, weil wir unsere Kinder für immer prägen.
00:05:18: Also tauchen wir kurz ein.
00:05:19: Was passiert, wenn so ein Baby zur Welt kommt?
00:05:22: Dann ist es so, dass das Gehirn von diesem Baby mit geschätzten einhundert Milliarden Nervenzellen ausgestattet ist.
00:05:29: Und neuste Untersuchung zeigen, dass dann, wenn das Kind auf der Welt ist, erstaunliche eine Million Verbindungen pro Sekunde in diesem Gehirn dieses Kindes im Alter von null bis drei Jahren aufgebaut werden.
00:05:41: Also das bedeutet, dass ein Baby heute um über sechsohn-achtzig Milliarden Gehirn Verbindungen anders ist als gestern.
00:05:49: Und da geht es gar nicht um die genauen Zahlen, sondern viel mehr um diese Dimensionen und diese Erkenntnis, dass mit all diesen Gehirnverbindungen sich natürlich in der frühen Kindheit das emotionale, das soziale und das Verhaltensrepertoire eines Kindes aufbaut, dass es dann bis zu seinem Lebensende behalten wird.
00:06:06: Und es gibt auch da ganz viel Forschung, z.B.
00:06:08: im Tierreich.
00:06:09: Es gibt einen Rattenstamm, der genetisch dazu veranlagt ist, ängstlicher zu sein als andere.
00:06:14: Und wenn diese Ratten bei ihren biologischen Müttern aufwachsen, dann neigen diese Rattenjungen dazu, ängstlich und auch leicht gestresst zu sein.
00:06:22: Wenn sie allerdings adoptiert werden und von nicht-ängstlichen Rattenmüttern großgezogen werden, dann wachsen diese Babyratten ohne Angst auf.
00:06:30: Also trotz dieser genetischen ist es dann doch auch die Erziehung, die hier zählt, diese Prägung.
00:06:37: Gleiches wurde auch bei Ratten aus einem Stamm mit wenig aggressiver Neigung festgestellt, die eher zu aggressiven Pflegemüttern gebracht wurden.
00:06:43: und auch umgekehrt.
00:06:45: Da gibt es einen Rieseneinfluss der Umwelt in den ersten Jahren.
00:06:48: Was aber ganz wichtig ist, wir brauchen auch nicht einen Schuldbaden, wenn wir mal geschrien haben oder wenn wir mal völlig übermütet nicht so reagiert haben, wie wir reagieren wollten.
00:06:57: Also was das Gehirn formt, also neben natürlich ganz großen traumatischen Erlebnissen, ist das Wiederkern der Erleben eines Kindes.
00:07:05: Also das, was ein Kind tagtäglich lernt.
00:07:08: Also ist es normal, dass man sich anlächelt.
00:07:10: Wie macht die Mama das, wenn der Papa nach Hause?
00:07:13: Wenn ich weine, ist dann jemand da, dem ich vertrauen kann, freut sich jemand mit mir, wenn ich meine ersten Schritte laufe.
00:07:19: Am erste schauen da alle aufs Handy oder spricht man miteinander.
00:07:22: Schaut der Papa mich an, wenn er mich wickelt oder rümpft er die Nase.
00:07:25: Ist das mich sauber machen, etwas, das eklig ist oder nicht?
00:07:29: Es sind diese vielen kleinen Momente zwischen Kindern und ihren engsten Bezugspersonen, die darüber entscheiden, wie sich dieses Kind dann entwickeln wird.
00:07:36: Also letztlich den Kindern auch so ein bisschen beibringen, was sind eigentlich Emotionen?
00:07:42: auch im Gesicht wieder.
00:07:43: Wenn ich natürlich jetzt total reglos auf mein Handy gucke die ganze Zeit, dann lernt ein Kind das natürlich logischerweise auch nicht.
00:07:49: Aber ich finde das auf jeden Fall schon sehr beruhigend, ehrlich gesagt.
00:07:53: Was du da gerade gesagt hast und ich finde das im Hinterkopf zu haben.
00:07:57: Und zu wissen, wie wichtig die ersten Jahre sind, das ist ja auch schon eigentlich ein gigantischer Schritt nach vorne in Sachen Erziehung und Elternsein.
00:08:05: Einfach überhaupt, dass man sich darüber bewusst ist.
00:08:08: Das ist ja auch schon ein Schritt nach vorne.
00:08:10: Versuchen wir jetzt vielleicht mal tatsächlich mal in der Entwicklung des Kindes mal ein bisschen weiter nach vorne zu gucken.
00:08:16: Also, in konkrete Situationen zu gehen, im späteren Kindesalter.
00:08:20: Das Kind geht zur Schule, es hat die ersten Jahre, also hinter sich, es gibt jetzt Situationen im Leben, des Kindes, die die mentale Gesundheit ankratzen können.
00:08:30: Also Mobbing in der Schule, beispielsweise.
00:08:33: Da ist für mich auch so ein bisschen die Frage, wie erkenne ich überhaupt, dass es meinem Kind nicht gut geht.
00:08:38: Also nicht jedes Kind spricht ja auch sofort darüber und kann das überhaupt benennen.
00:08:43: Bleiben wir mal bei diesem konkreten Fall Mobbing.
00:08:45: Also vielleicht sollten wir zuerst mal definieren, was ist Mobbing oder auch Bullying und was ist es aber auch nicht.
00:08:50: Also per Definition bedeutet Mobbing, dass eine Person von einer anderen oder von mehreren anderen Personen wiederholt über einen längeren Zeitraum schikaniert wird.
00:08:59: Also das ist kein einmaliger Streit oder Ärger, denn es passiert wiederholt über einen längeren Zeitraum.
00:09:06: Und das kann aktiv sein, also zum Beispiel Ärgern, Hänseln, Blamieren oder auch körperlich angreifen oder auch passiv, also dass ein Kind gemieden wird, dass es ausgegrenzt wird oder als nicht zugehörig behandelt wird.
00:09:18: Also Mobbing ist so eine Art systematischer Einsatz von psychischer und auch physischer Gewalt.
00:09:23: Und es gibt eine Pisa-Studie, die sagt zum Beispiel, dass knapp ein Fünftel der fünfzehnjährigen mehrmals im Monat von Mitspielern gemobbt wird.
00:09:31: Und das ist jetzt gar nicht nur das reale Mobbing, sondern da kommt natürlich auch noch das Cyber-Mobbing dazu, was in dieser Studie gar nicht inkludiert wurde.
00:09:39: Also das heißt, es ist... Psychischer Stress, das ist körperliche Gewalt.
00:09:43: Es gibt natürlich Beispiele von Hänseln, von lächerlich machen bis hin zu wirklich schlimmen Vergehen.
00:09:48: Also es gibt Geschichten, dass zum Beispiel ein Kind an eine Grube geschubst wird und mit Urin bespritzt wird oder dass Kleidung nach dem Schwimmunterricht im Mülleimer angezündet wird.
00:09:57: Und das unterscheidet eben auch ganz zentral kleine Streits unter Kindern von Mobbing.
00:10:02: Und genau hier liegt auch so ein bisschen das Problem und auch der Kern, denn das ist kein Spaß und es ist auch kein Ärgern.
00:10:07: Es ist eine absichtliche Handlung.
00:10:09: Mh.
00:10:10: Und so oft wird diesen Kindern gesagt, komm, die ärgern dich doch nur ein bisschen.
00:10:14: Die wollen nur deine Freunde sein, die wollen dich nur austesten.
00:10:17: Und das ist natürlich quatscht.
00:10:18: Das ist eine ganz große Machtin-Balance.
00:10:20: So ein Kind, was von fünf oder zehn anderen gemobbt wird, kann sich nicht selbst wehren.
00:10:25: Und all diese tollen Tipps, wie löse dich davon, ignoriere es, dann geht's schon vorbei oder geh auf die anderen zu.
00:10:31: Es hilft natürlich einem Kind überhaupt nicht.
00:10:32: Ganz im Gegenteil, das signalisiert natürlich, ich muss gewalt, ob jetzt physisch oder psychisch über mich ergehen lassen.
00:10:38: Also mein Gefühl, dürfen das nicht, ist eigentlich falsch und damit impliziertes Gefühl beim Kind ist dann, ich bin falsch und auch so was wie.
00:10:46: ihr müsst das unter euch klären, das geht natürlich nicht.
00:10:48: Also ein Kind, was gemobbt wird, kann das nicht alleine klären, weil es auch gar keinen Streit auf Augenhöhe ist.
00:10:53: Und Mobbing, wenn wir jetzt mal einen Schritt weitergehen, führt dann natürlich zu großen emotionalen Reaktionen, als wären Stressormone z.B.
00:11:00: Cortisol ausgeschüttet.
00:11:02: Und wenn das dauerhaft im Körper bleibt, dann macht das eben auf lange Sicht krank.
00:11:06: Also ein hoher Cortisol-Spiegel steht im Zusammenhang mit einer Reihe von Krankheiten.
00:11:11: Also auf kurzfristig Gesicht sind die Folgen z.B.
00:11:14: Schlafstörungen, Herzerkrankung, Blutdurchdruck, Übergewicht.
00:11:17: Und auf Dauer aber leiden natürlich die Organe darunter, die Blutgefäße und auch das Abwehrsystem.
00:11:22: Also, was würde der Mensch so aus seiner Evolutionsbiologie heraus eigentlich machen in extremen Stresssituationen?
00:11:31: Der Körper schaltet einen Überlebensmodus.
00:11:33: Wenn der Sebelzantiger um die Ecke kommt, reagieren wir entweder mit Fight, mit Flight oder mit Freeze.
00:11:39: In so einem Modus kann der Mensch nicht lernen.
00:11:43: Es ist nicht möglich, dass das Kind in einer Schule, in der er gemobbt wird, auf seine kognitiven Ressourcen zugreift.
00:11:51: Fight geht aber nicht, weil der andere stärker ist.
00:11:53: Flight, also zu fliehen, geht auch nicht.
00:11:55: Das Kind muss in die Schule gehen.
00:11:57: Freeze, also einfrieren, ein bisschen totstellen, das führt ... natürlich genau zu dieser Erlebten-Gefalt.
00:12:02: Das heißt also ein Kind sieht die Schule, egal ob es mit dem Bus wert oder die Eltern ist, fahren und der Körper reagiert, als würde eben ein Sehbild Santiga um die Ecke kommen.
00:12:11: Und solche Tipps wie jetzt, was sich nicht tötet, härtet ab oder so, das ist richtig, aber eben nur bei Herausforderungen, die auch selbst ein Kind lösen kann, die händelbar sind.
00:12:20: Aber wenn ich natürlich mit Urin bespritzt werde, wenn die Kleidung angezündet wird oder wenn mir gesagt würde, ich soll mich umbringen, dann hat das nichts mit händelbaren Herausforderungen zu tun und da braucht einfach ein Kind Hilfe.
00:12:32: Was da in der langen Konsequenz natürlich passiert ist, wenn ein Kind nicht geholfen wird, dann entsteht eben diese erlernte Hilflosigkeit.
00:12:39: Also ein Kind lernt dann, es lohnt sich nicht, sich zu wertzusetzen, ich muss eigentlich alles über mich ergehen lassen.
00:12:45: Also stellen wir uns vor, dass wir auf der Straße überfallen werden und die Polizei kommt und sagt ja, das ist eben so, das bereitet dich jetzt aufs Leben vor.
00:12:53: Das würde natürlich niemals passieren und genau deswegen dürfen wir auch unseren Kindern das nicht zumuten.
00:12:58: Wichtig beim Mobbing ist, es gibt natürlich der verschiedene Beteiligte.
00:13:02: Und diese Dreiecksbeziehung zu verstehen ist, glaube ich, sehr, sehr hilfreich.
00:13:05: Es gibt auf der einen Seite ja den Täter.
00:13:08: Also dieser Täter braucht das Opfer, um die eigene Position in der Gruppe auch so ein bisschen zu stärken.
00:13:13: Also das Opfer wird so ein bisschen instrumentalisiert, dass der Täter selbst an Status gewinnt.
00:13:18: Dann gibt es natürlich das Opfer.
00:13:20: und es gibt Studien, die sagen, dass schon Kinder, die eher von der Gruppennorm abweichen, ein größeres Risiko haben.
00:13:28: zum Opfer zu werden, also das ist vom Täter eher so eine strategische Wahl, wo er möglichst wenig Gegenwehr bekommt.
00:13:34: Und dann gibt es die Gruppe der Zuschauer.
00:13:36: und das ist jetzt eine ganz, ganz wichtige Gruppe, denn die Gruppe der Zuschauer oder auch im Englischen sagen wir Beiständer, da haben wir immer das Gefühl, warum scheitelt sich denn da auch keiner ein?
00:13:46: Also gerade Kinder wollen ja dazugehören und dass so mehr andere Personen anwiesen sind, dass so weniger wahrscheinlich greifen wir ein, übrigens nicht nur Kinder, sondern auch wir Erwachsenen, also wir fühlen uns andere Menschen dabei.
00:13:57: weniger verantwortlich etwas zu machen.
00:13:59: Auch das zum Beispiel gibt es übrigens bei Ratten.
00:14:01: Sehr, sehr interessant.
00:14:02: Da gab es eine Studie, wo Forschende ratten.
00:14:05: einzeln in eine Plastikbox gesetzt haben.
00:14:07: Und wenn dann eine weitere Ratte dazukam, dann hat sie diese gefangene Ratte befreit, indem sie einfach so ein Türchen geöffnet hat.
00:14:13: Wenn mehrere dabei waren, dann griff dieselbe Ratte, die vorher geholfen hat, nicht mehr ein.
00:14:19: Und die gefangene Ratte saß weiterhin in der Falle.
00:14:21: Also dieser Beisländer-Effekt ist da ganz, ganz spannend.
00:14:25: Und auch die Erkenntnis, dass andere, also Zuschauer, viel mehr machen können als eben das Opfer.
00:14:31: Also das ... des Opfer integrieren, ihm beistehen und so weiter.
00:14:34: Also die Gruppe der Zuschauer ist da ganz, ganz zentral.
00:14:37: Du hast gerade gefragt, woran merken wir das als Eltern oder auch als Außenstehende?
00:14:41: Also Kinder zeigen das natürlich auf eine sehr unterschiedliche Art und Weise.
00:14:45: Klar ist, wenn wir eine gute Bindung zu unserem Kind haben.
00:14:48: Wenn unser Kind sicher gebunden ist, das ist ja eines meiner wesentlichsten Themen und auch auf meinem Kanal eines der größten Themen, dann können wir mit unserem Kind dazu ins Gespräch gehen, weil es weiß, Mama oder Papa, die helfen mir, wenn ich Hilfe brauche.
00:15:00: Die sind so ein bisschen mein sicherer Hafen.
00:15:02: Ich muss mich mit nichts vor ihnen verstecken.
00:15:05: Symptome, die so auf Mobbing hinweisen, die können natürlich immer auch andere Ursachen haben.
00:15:10: Also ich nenne jetzt mal ein paar, aber immer mit dem Wissen, dass wir da sehr sensibel hinschauen müssen und vor allem sehr sensibel auf Verhaltensänderungen schauen sollten.
00:15:20: Also dazu könnte gehören, dass das Kind nicht mehr zur Schule gehen will, dass es Krankheiten vorgibt oder morgens immer Bauchschmerzen hat, dass ein Kind Schlafprobleme hat oder Angst vor dem neuen Tag oder ältere Kinder, die einfach nicht zur Schule gehen.
00:15:33: Natürlich auch Konzentrations- oder Lernstörungen oder wenn sich ganz plötzlich die Schulleistungen verschlechtern.
00:15:39: Wenn das Kind wenig sozialen Kontakt mehr hat oder gar keine Freunde mehr oder wenn es zum Beispiel permanent nach mehr Taschengeld fragt.
00:15:46: oder natürlich ganz sichtbare Dinge wie körperliche Verletzungen, Beschädigungen an der Kleidung usw.
00:15:52: Wichtig ist in diesen Fällen, dass wir sehr einfühlsam hinschauen und herausfinden, ob dann Mobbing oder vielleicht auch ein anderer Kummer dahinter gesteckt hat.
00:16:01: Also was ich auf jeden Fall daraus mitgenommen habe, ist, dass erstmal das nochmal zeigt, finde ich, was... mentale Gesundheit ausmacht.
00:16:10: Und was vor allem, ich sag jetzt mal, mentale Ungesundheit in Anführungsstrichen.
00:16:15: Also Stress in erster Linie mit Kindern auch macht.
00:16:19: Nämlich zum einen natürlich die Geschichte, was du auch gesagt hast, dass sie sich kognitiv einfach schlecht weiterentwickeln können.
00:16:26: Also äußert sich ja wahrscheinlich dann auch unter anderem in Konzentrationsschwierigkeiten, aber auch körperliche Reaktionen, ja, also Krankheiten.
00:16:35: Ich glaube, das haben viele auch nicht so unbedingt auf dem Scher... was das alles für Auswirkungen haben kann.
00:16:41: Insofern auf jeden Fall nochmal an der Stelle ein guter Hinweis.
00:16:43: Also du würdest auch sagen, schon das Gespräch auch mit dem Kind suchen und versuchen da sensibel drauf einzugehen.
00:16:51: Julia, ich habe neulich in einem anderen sehr bekannten Podcast gehört.
00:16:54: Ich kann es an der Stelle sagen, es war gemischtes Hack.
00:16:56: Da hat der Comedian Felix Lohbrecht erzählt, seinen Vater habe gesagt, Kinder waren früher einfach nicht so wichtig.
00:17:03: Und das hat er gar nicht despektierlich jungen Eltern gegenüber heutzutage gemeint, sondern eher wertschätzend.
00:17:10: Im Sinne von früher liefen Kinder halt so nebenbei und heute werden sie, ich sag mal, in Klammern zum Glück ernst genommen.
00:17:17: Das ist auch mein Eindruck, aber ich weiß natürlich, dass ich da auch in der Bubble unterwegs bin und mich natürlich mit Eltern umgebe, die sich auch alle mit diesem Thema beschäftigen und wissen, dass so alte Weisheiten von... Das müssen die Kinder unter sich ausmachen, das macht sie stark fürs Leben.
00:17:33: Das Kind muss auch mal schreien und im schlimmsten Fallen, den Klapps hat noch niemandem geschadet, dass das einfach nicht mehr geht.
00:17:40: Was meinst du, wie groß ist die Awareness für dieses Thema wirklich?
00:17:44: Die Awareness steigt und die ist auch gestiegen in den letzten Jahren, ist auch mein Gefühl.
00:17:48: Und dennoch erlebe ich, dass die alten Denkmuster noch immer sehr präsent sind, denn Eltern ... Gerade Ersteltern im Übrigen, die sind ja in einem Gefläch von sozialen Beziehungen.
00:17:58: Also sind ja nicht nur Mama oder Papa, sondern wir sind ja auch Tochter oder Sohn, Freund oder Freundin.
00:18:05: Und alle haben gute Tippsauflage.
00:18:07: Auch Menschen, die selber keine Kinder haben, also jeder glaubt ja, bei diesem Thema wirklich mitsprechen zu können.
00:18:13: Und zusätzlich kursiert so viel Meinung zu dem Thema, aber noch immer so wenig fundiertes Wissen.
00:18:20: Und genau dafür habe ich damals meinen Kanal gegründet und darauf baut einen.
00:18:23: meine ganze Arbeit auf.
00:18:25: Und ich glaube, wenn wir dieses Wissen, und wir wissen mittlerweile so viel auch aus der Hirnforschung, also wir können ja da mit dem Gehirn so ein bisschen beim Arbeiten zuschauen und sehen, wie entwickelt sich ein Kind in dieser und in dieser Situation.
00:18:36: Und wenn wir dieses Wissen also verbinden mit unserer Mütterlichen mit unserer väterlichen Intuition, also wenn wir lernen, auf diese leise Stimme in uns zu hören, dann wissen wir, dass wir ein Baby nicht die ganze Nacht allein Wein schreien lassen oder dass einem Teenie, der gemobbt wird, wir einfach nicht sagen, da musst du jetzt eben durch, ja, sondern dass starke, gesunde, resiliente, liebevolle Menschen nur durch eine zugewandte, liebevolle, starke Eltern-Kind-Beziehung entstehen.
00:19:04: Und diese neue Art der Elternschaft ist keine Kuschelpädagogik.
00:19:09: sondern sie ist biologisch messbar.
00:19:11: Und wir haben naturwissenschaftliche Belege dafür, dass die Art, wie wir mit unseren Kindern umgehen, direkte Folgen auf die Struktur des kindlichen Gehirns hat und damit ihr ganzes Leben steuert.
00:19:23: Also unsere Fürsorge, unsere Liebe prägt das Gehirn unseres Kindes für sein ganzes weiteres Leben.
00:19:30: Ach, Julia, ich könnte noch stundenlang mit dir weiter mich unterhalten und eigentlich müsste man wahrscheinlich einen eigenen Podcast zu dem Thema machen.
00:19:39: Aber wir versuchen zumindest einen Überblick zu geben und auch bestimmte Perspektiven zu eröffnen in diesem Podcast.
00:19:48: Ich danke dir sehr.
00:19:49: dass du uns die wissenschaftliche Seite zu dem Thema mentale Gesundheit in Familien und vor allem mentale Gesundheit bei Kindern ein bisschen näher gebracht hast.
00:19:58: Sehr gerne, hat mich sehr gefreut.
00:19:59: Mir hat es total Spaß gemacht.
00:20:01: Ich habe auch noch mal einiges mitgenommen, trotz der Tatsache, dass ich mich durchaus auch schon mal mit dem Thema beschäftigt habe.
00:20:07: Also danke auf jeden Fall dafür noch mal.
00:20:09: Und falls es euch auch gefallen hat, dann abonniert diesen Podcast gerne, bewertet ihn gerne und ansonsten freue ich mich, wenn ihr beim nächsten Mal wieder mit dabei seid.
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